SKAN - Körperarbeit und Craniosacral - Therapie
Was ist SKAN ?
Skan heißt in der Sprache der Lakota „das was sich bewegt“. Gemeint ist im Skan damit das Strömen der Lebensenergie im eigenen Körper.
Skan ist eine Form der Körperpsychotherapie, die auf der Vegetotherapie von Wilhelm Reich (1897-1957) basiert. Wilhelm Reich war ein Schüler von Sigmund Freud und der erste, der den Körper in die Psychoanalyse miteinbezog und den Begriff der (Körper)-“Panzerung“ prägte. Aus der Psychoanalyse entstand die Charakteranalyse und daraus später die Vegeto-therapie.
Diese "Körperpanzerungen" sind chronische Anspannungen, Blockaden oder Kontraktionen in Muskeln und Organen, die vorwiegend im Laufe unserer Kindheit in überfordernden Situationen oder traumatischen Erlebnissen entstanden sind. Die damals nicht gefühlten Gefühle wurden in den verschiedenen Körpersegmenten festgehalten und als Spannung oder Druck dort eingefroren – eben gepanzert. Damit wurde immer wieder ein Stück unserer Lebensenergie gebunden, wenn wir als Baby oder Kind in zu herausfordernden Situationen waren. Noch heute als Erwachsene halten wir diese «Schutz- und Abwehr»-Panzer mit großer Anstrengung aufrecht, häufig ohne dass wir uns dessen bewusst sind.
In der Gegenwart nehmen wir oft nur die Symptome wahr, wie z.B. körperliche Verspannungen, depressive Stimmungen, Ängste, unbefriedigende Beziehungen, einen Mangel an Lebensfreude oder ein Feststecken in Abhängigkeiten, die wir aus eigener Kraft nicht verändern können.
Während der Einzelsitzungen ist Raum da, die in den Körpersegmenten gespeicherten Empfindungen und Emotionen in sich wiederzuentdecken, zu fühlen und auszudrücken. Wir arbeiten in Einzelsitzungen mit dem Atem, dem Körper und der Stimme unterstützt durch Berührungen. Ein wesentlicher Aspekt dabei ist auch die sogenannte vegetative Identifikation mit der Klientin oder dem Klienten: nämlich die Fähigkeit in Kontakt zu sein, sich mit dem lebendigen Kern eines Menschen zu verbinden und den anderen Menschen in seinem Körper zu fühlen.
Im SKAN werden sieben Körpersegmente unterschieden, die schrittweise durchgearbeitet werden:
1. Kopf und Augen
2. Kiefer und Mund
3. Hals
4. Brust und Arme
5. Zwerchfell
6. Bauch
7. Becken und Beine
Schrittweise kann der Körper entpanzert werden und unsere Lebendigkeit kann wieder frei(er) fließen. Eine natürliche Selbstregulation findet zurück in den Körper und wir kön-nen leichter in Kontakt mit uns und anderen Menschen gehen und auch (authentisch) in Kontakt bleiben.
Die Einzelsitzung ist das Herzstück von Skan, weitere wichtige Bestandteile sind Gruppen- und Theaterarbeit. In der Gruppe können durch Kontakt und Interaktion zu anderen Menschen weitere Prozesse entstehen. Wir bringen etwas in uns in Bewegung, drücken es aus und bringen es in Kontakt mit der Gruppe und somit mit der Welt.
In der Theaterarbeit können Charakterstrukturen erweitert werden. Der Schritt aus der eigenen charakterlichen Begrenzung wird möglich: wir erweitern unseren Spielraum für emotionalen Ausdruck, mehr Lebensfreude und Kreativität.
Ursprung von Skan
Wegbereiter von Skan war Michael Smith (1937 – 1989), ein amerikanischer Körpertherapeut und Psychologe der die Arbeit 1979 nach Europa brachte. Zusammen mit seinem Lehrer Al Baumann (1918 – 1998, Konzertpianist) hat er wie kein anderer dafür gesorgt hat, dass die schnörkellose Einfachheit und Direktheit der Vegetotherapie Wilhelm Reichs erhalten blieb und in Skan fortgeführt wurde. Einfach – vor allem in einer fundamental zwischenmenschlichen Weise: Wir arbeiten mit so grundlegenden, aber schwierig gewordenen Dingen wie atmen, sich – anschauen, sich – berühren, sich – halten, sich – ausdrücken. Der Name "SKAN" entstand 1982 durch die Initiative von Jürgen Christian, ein Schüler von Michael Smith und Al Baumann. Mit Al Baumann als Konzertpianist kam zur Körpertherapie in der Horizontalen (Einzelsitzung), die Körpertherapie in der Vertikalen dazu: das Streaming Theatre, ein der Theaterarbeit entsprungenes Therapieelement.
Weitere Verbreitung in Deutschland, Österreich und der Schweiz erlang Skan über Loil Neidhöfer (1947 - 2022), Dipl. Psychologe, Gestalt- und Körpertherapeut, der zahlreiche Bücher (z. B. Intuitive Körperarbeit) und Theatertexte schrieb sowie Skan-TherapeutInnen ausbildete.
Körperarbeit ist Kunst, nicht Wissenschaft.
Die Poesie der Sehnsucht ist ihre Sprache,
nicht die Prosa des klinischen Berichts.
Sie findet statt in der Beziehung,
nicht in der Behandlung;
in der menschlichen Beziehung,
nicht in der «therapeutischen».
Loil Neidhöfer

